
Von Ilmenau nach Güllen
Ihr kennt Güllen nicht?
Wir, die Klassen BG 09, die in diesem Jahr ihr Abitur schreibt, und die BG 10 des SBSZ Ilmenau waren dort - zum „Besuch der alten Dame“. Ihr werdet wohl vergeblich nach
Güllen auf Thüringens Karte suchen, befindet sich dieses nämlich auf der Bühne des Theaters Rudolstadt. Güllen ist Schauplatz des Theaterstückes „Der Besuch der alten Dame“ von Friedrich Dürrenmatt.
Der Titel klingt ja nicht gerade aufregend und einladend für die jüngere Generation. Wie kommt man also zum Theaterstück? Da Dürrenmatt mit einem Ausspruch von den „Physikern“ in diesem Jahr
Abitur Prüfungsthema in Deutsch ist und sowieso alle Jahrgänge gerade „Den Besuch der alten Dame“ gelesen hatten, wurde das Bühnenstück als ideale Prüfungsvorbereitung empfohlen.
Worum geht es in dem Stück?
Güllen, einst ein blühendes Städtchen, von Berühmtheiten wie Goethe und Brahms heimgesucht, ist heute ein heruntergekommenes Provinznest, steht vor der Pleite und demzufolge herrscht eine miese
Stimmung. Darum erhoffen die Güllener sich sehr viel von dem Besuch der Milliardärin Claire Zachanassian. Sie verspricht den Bewohnern ihrer einstigen Heimatstadt viel Geld, wobei ihr Angebot
jedoch einen Haken hat: die Bürger von Güllen sollen Alfred Ill, ihren jugendlichen Geliebten ermorden, da er sie damals schwängerte und sitzen ließ. So nimmt die Geschichte um geheuchelte
Anständigkeit ihren Lauf und zeigt, wie verführbar der Mensch ist.
Hat man das Buch gelesen und sich dazu seine eigenen Bilder von Orten und Personen geschaffen, kann das in Rudolstadt aufgeführte Stück den einen oder anderen vielleicht verwirren. Die Güllener
sind alle ziemlich einfach und schäbig dargestellt, die Milliardärin erscheint elegant und mondän und entspricht nicht dem Bild einer typisch alten Dame.
Das Bühnenbild ist sehr einfach und sparsam gestaltet und wird kaum verändert. Rollen von Schauspielern werden mehrfach besetzt, ohne dass diese jedoch die Kostüme wechseln, so dass es für den
Zuschauer mitunter etwas verwirrend ist. Auch Bäume, Pflanzen und Tiere einer Waldszene werden durch Menschen dargestellt. Das Tempo des Stückes ist in Teilen recht flott, Szenen laufen
gleichzeitig im Vorder- und Hintergrund ab. Sehr auflockernd und unterhaltsam sind musikalische Zwischeneinlagen, wie z.B. der a-capella Gesang von „Hello again“. Im Großen und Ganzen ist
die Umsetzung des Stückes gelungen, doch über Geschmack lässt sich ja bekanntlich streiten, deshalb sollte sich jeder eine eigene Meinung dazu bilden - der eine mag es eher klassisch, der
andere die moderne Form. Es ist in jedem Fall empfehlenswert, „Die alte Dame“ vorher gelesen zu haben, um der Handlung gut folgen zu können.
Foto v.l.n.r.: Jennifer Henneberg, Kerstin Koch, Anja Kupke im Foyer des Rudolstädter Theaters
Christopher Porst, Klasse BG 09